Hypertonus & Psyche

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Bluthochdruck –
die überforderte & überkontrollierte Seele
von
Wilfried Vogelbusch, Dipl.Psychologe, Berlin
Matthias Witt, Arzt, Berlin

  • Sprecher: Ann Vielhaben & Erich Schwarz
    Hypertonus & Psyche copyright CON VerlagsGmbH, Berlin

Hoher Blutdruck ist eine Anpassungsreaktion des Körpers auf bestimmte Anforderungen und Anstrengung: körperlicher, geistiger oder psychischer Art.
Vor Prüfungen hat fast jeder Mensch einen erhöhten Blutdruck, ebenso beim Sport und bei schwerer körperlicher Betätigung. Auch wenn Menschen Konflikte mit sich selbst oder anderen Menschen haben, kann der Blutdruck erhöht sein. Diese so genannten situativen Blutdruckerhöhungen gehen oft wieder vorbei, nachdem die Anstrengung vorüber ist.

Einige Menschen halten den hohen Blutdruck jedoch aufrecht, manche über viele Stunden, andere über Tage, Wochen, Monate, manche sogar dauernd oder über Jahre. Was führt dazu, den Blutdruck aufrecht zu erhalten?
Sind Konflikte oder Stress Ursache des anhaltenden hohen Blutdrucks, dann scheint es so zu sein, dass man sich von dem Konflikt oder dem Stress nicht gelöst hat, sondern ihn verinnerlicht hat. Aus einer Stresssituation wurde auf die Weise ein lang anhaltendes Trauma.

Oft vergisst man den Grund für den inneren Stress, aber Körper, Geist und Seele geraten in einen Zustand, als bestünde Dauergefahr. Verbunden damit sind innere Unruhe und ständige Anstrengung, angepasst zu bleiben und unterdrückte Gefühle möglichst nicht zu zeigen und im Zaum zu halten. Solche Gefühle können z.B. Wut, Schmerz, Trauer, Rachebedürfnisse, Depression, Enttäuschungen, fortdauernde Zurücksetzung, mangelnde Beachtung und Anerkennung sein.
Natürlich ist Ihnen das Meiste von dem, was wir bis jetzt über Hypertonie berichtet haben, längst bekannt. Sofern Sie ein typischer Überforderungshypertoniker sind, wissen Sie häufig schon alles lange vor den anderen, und wenn nicht, dann besitzen Sie zumindest die Fähigkeit, so tun als ob.
Sie lassen sich nicht gerne belehren und sind nicht gerade neugierig auf Kritik. Deswegen helfen Sie zwar gerne anderen, aber Hilfe selbst anzunehmen, ist für Sie wie ein Vernichtungsurteil und geht nicht selten mit Kontrollverlust einher.
Erinnern Sie sich an das Märchen vom ‚Hasen und Igel’?
Manche von ihnen brauchen immer eine Nasenlänge Vorsprung. Beim legendären Wettlauf zwischen Hase und Igel sind Sie der Hase, der unbedingt gewinnen muss und dafür hohen Blutdruck und Infarkt-Risiko einsetzt. Der Igel liegt im Zielbereich meistens schon bequem in der Sonne, wenn der Hase ankommt, und hat deswegen offenbar keine Gewissensbisse. Der Hase hat nur dann kein schlechtes Gewissen, wenn andere merken, dass er sich abhetzt, gequält und im Grenzbereich seiner Kräfte bis zur Erschöpfung agiert hat.

Was Sie vielleicht erstaunt, ist die Information, dass Bluthochdruck, obwohl als Krankheit bezeichnet, eine von Ihnen selbst gelernte – und zwar unbewusst gelernte – Fähigkeit ist. Das meiste unserer Fähigkeiten haben wir unbewusst gelernt, angefangen vom Laufen oder Sprechen als Kleinkind, und wenden diese Fähigkeiten auch unbewusst an.

Möglicherweise ist Ihnen dieser Gedanke nicht angenehm, weil Sie lieber alles ...